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Das Mausoleum von Urghxx

Abschied von Urghxx

Urrghx6

Nervös sah ich, dass die Sonne schon tief am Himmel stand. Ich fürchtete mich vor der Nacht. Frau Knubbelig lud uns ein, in der ZIGEUNERMAUS zu bleiben.
Großvater dankte. “Ich muss nach Hause und arbeiten.”
“Um diese Zeit?“, fragte Frau Knubbelig erstaunt.
"Ich will in den alten Büchern und Familienaufzeichnungen nachlesen, was dort über Vampire steht. Vielleicht finde ich ein Heilmittel gegen die Starre, die Emausuel und die Anderen befallen hat.”
Ohne Großvater wollte auch ich nicht bleiben. Er sollte die Nacht nicht allein in unserem großen, leeren Haus verbringen. Pieps blieb bei ihrem kranken Bruder.
“Ich werde auf ihn aufpassen“, sagte sie mit grimmiger Entschlossenheit. "Heute Nacht bleibt er im Bett. Wenn ihn der Vampir ruft, halte ich ihn fest. Eher schlage ich ihn nieder, als dass ich ihn aus dem Haus lasse.”
Mitleidig sah ich den armen Emausuel an. Was auch geschehen würde, er war nicht zu beneiden.
Traurig nahmen Pieps und ich voneinander Abschied.
Kaum waren Großvater und ich zu Hause angekommen, fing ich an zu zittern. Meine Zähne schlugen wie wild aufeinander, meine Ohren flappten auf und ab und mein Schwanz verdrehte sich zu einer Spirale. Es gab nichts, was ich dagegen tun konnte.
“Das ist der Schock, Jykie“, beruhigte mich Großvater. "Das ist ganz normal. Wehr dich nicht dagegen.”  
Er steckte mich mit einer Wärmflasche und einem Dutzend Knoblauchzöpfen ins Bett. Dort hörte das Zittern auf und ich schlief ein.
Als ich aufwachte war es fast Mittag. Großvater erwartete mich mit guten Neuigkeiten.
“Der Vampir hat die Insel verlassen”, sagte er.
“Wie denn das?“, fragte ich verschlafen.
"Ich glaube, der arme Plitsch hat ihm geholfen. Der Blutsauger muss ihn gezwungen haben, mit ihm davon zu segeln. Deswegen ist sein Boot verschwunden. Ich mache mir schlimme Vorwürfe. Alle haben wir auf den armen Kerl vergessen. Niemand hatte ihn vor der Gefahr gewarnt.”

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Auch mir tat Plitsch Leid. Aber ich war auch froh, dass der Vampir weg war. Nun würde wieder Ruhe und Frieden auf Urrghx einkehren.
“Da täuschst du dich.” Großvater ließ keine falsche Freude aufkommen. “Solange der Vampir frei ist, gibt es für uns keine Ruhe und keinen Frieden. Wir müssen ihn finden und unschädlich machen.”
Das WIR gefiel mir gar nicht. Es klang, als wollte Großvater sich höchstpersönlich auf die Suche machen.
"Warum vergisst du das Ganze nicht einfach?“, sagte ich.
"Weil wir in Gefahr sind. Aus einem Vampir werden im Handumdrehen hundert. Denk nur an Emausuel, an die beiden Mäusekinder in Nesthausen und an die Familie Grau. Sie sind schon fast in der Gewalt des Bösen. Ich muss ihnen helfen. Das verstehst du doch?”
Beschämt senkte ich den Kopf. Ich war wirklich selbstsüchtig.
“Was können wir denn tun?“, frage ich.
"Wenn ich das nur wüsste! Ich bin am Ende mit meinem Latein. In meinen Büchern stand nichts, was uns weiter hilft. Jeder, der dem Blick des Vampirs nicht standhält oder von ihm gebissen wird, verfällt seiner Macht. Graf Musta Ermin muss das Opfer nur mit Namen rufen und es kommt zu ihm.”
“Das ist nicht so schlimm“, sagte ich. "Der Vampir kennt uns ja nicht.”
“Der Vampir kennt uns nicht. Aber denk an Jonathan. Der kennt den Namen jeder Maus auf der Insel.”
“Verdammt“, sagte ich. “Wir sind verloren.”
Großvater tat, als hätte er das schlimme Wort nicht gehört.
"Lass den Kopf nicht hängen, Jykie”, sagte er. “Es gibt klügere Mäuse, als deinen alten Großvater. Ich hatte da einen Studienfreund. Er war viel jünger als wir anderen. Ein enorm gescheiter Kopf. Van Mysie hieß er. Nikomaus van Mysie. Der hat sich damals sehr für Vampire interessiert. Den will ich um Rat fragen.”
“Du musst ihm sofort schreiben“, stimmte ich zu.

"Das dauert zu lang. Ich fahre selbst zu ihm. Er lebt in London. Ich werde noch heute aufbrechen. Zuerst aber muss ich Frau Knubbelig bitten, sich während meiner Abwesenheit um dich zu kümmern.”
"Ich kann nicht in der ZIGEUNERMAUS bleiben“, widersprach ich entsetzt. "Alle dort sind so unglücklich, dass es nicht zum Aushalten ist. Ich hätte auch ständig Angst um dich. Du kannst mich nicht zurücklassen. Bitte, nimm mich mit nach London.”
Der arme Großvater. Er wollte mich nicht in Gefahr bringen. Die weite Reise, die große Stadt, all das erschien ihm viel zu gefährlich für eine kleine Maus wie mich.
Frau Knubbelig sah das anders: “Sie sollten Jykie mitnehmen“, redete sie Großvater zu. "Eine Reise nach London! Was für ein Erlebnis für eine junge Maus. Reisen bildet enorm. Ach, ich wünschte, sie könnten meine Pieps auch mitnehmen. Das Mädchen ist völlig verdreht. Heute hat sie nichts weiter getan, als ihren kranken Bruder zu kämmen und ihm die Krallen zu putzen. Dann hat sie ihm eine Schleife um den Hals gebunden. In Rosa! Als ob ich nicht schon genug Sorgen hätte. Etwas Ablenkung täte ihr gut. Das brächte sie wieder auf andere Gedanken.”
“Ja, wenn Pieps mitkommt, dann habe ich nichts dagegen“, erklärte Großvater schnell.
Mir fiel ein Stein vom Herzen.
Aber Pieps legte sich quer. "Es geht nicht“, meinte sie. "Ich kann meinen Bruder nicht allein lassen.”
“Nun hör mir mal gut zu“, sagte ihre Mutter streng. "Ich bin schließlich auch noch da. Ich kümmere mich schon um ihn. Helfen kann ich ihm freilich nicht. Das kann nur Herr von Knobelou. Dem musst du zur Hand gehen. Du kannst ihm Wege abnehmen, sein Gepäck tragen und dich überhaupt nützlich machen. Damit tust du mehr für deinen Bruder, als wenn du dir hier die Augen ausweinst.”

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Damit war die Sache entschieden. Wir packten unsere Koffer. Frau Knubbelig bestand darauf, außer Kleidern und Waschzeug auch noch Knoblauchzöpfe und spitze Eschenpflöcke einzupacken.
“Sicher ist sicher“, meinte sie.
"Mutter, du machst dir viel zu viel Sorgen“, belehrte sie Pieps. "Den Vampir werden wir so schnell nicht wiedersehen.”  
Alle Inselbewohner kamen zur Anlegestelle, um uns Lebewohl zu sagen. Aus Maushafen hatte man einen Schnellsegler mit sechs Maus Besatzung herüber geschickt. Der sollte uns nach England bringen. Willi Spitzig, unser Bürgermeister wartete an Bord, um uns feierlich zu verabschieden. Ich glaube, er wollte eine Rede halten. Aber die Speckswinkler Blaskapelle spielte jedesmal einen Tusch, sobald er den Mund aufmachte, so dass nichts daraus wurde.
Großvater war in Eile. “Haltet uns nicht auf, Leute“, rief er. "Der Wind steht günstig. Wir legen sofort ab.”
Darauf spielte die Blaskapelle die Nationalhymne von Urrghx, die Frauen winkten mit ihren Taschentüchern, die Männer mit ihren Mützen und die Kinder riefen “Hurra!”, “Ahoi!” und “Bringt uns den Kopf vom schwarzen Grafen!”
Wir waren sehr gerührt. Erst als wir ein gutes Stück vom Land entfernt waren, bemerkten wir, dass der Bürgermeister immer noch an Bord war. Großvater wollte gleich umkehren.
“Das ist nicht nötig“, wehrte Willi Spitzig ab. "Ihre Aufgabe ist zu wichtig. Sie dürfen keine Zeit verlieren.” Mit einer eleganten Flanke setzte er über die Reling und schwamm ans Ufer zurück.
Wir sahen noch wie er tropfnass an Land kletterte. Dort drehte er sich um und winkte uns vergnügt zu.

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Großvater schmunzelte: “Ich hätte nicht gedacht, dass der gute Willi so sportlich ist.”
Die Schwimmeinlage des Bürgermeisters war das aufregendste Erlebnis auf der ganzen Reise. Trotzdem wurde es Pieps und mir keinen Augenblick langweilig. Das Meer ist etwas wunderbares. Ständig ändert es sein Aussehen und seine Farbe. Wir sahen stundenlang aufs Wasser und merkten nicht wie die Zeit verging. Pieps vergaß ihren Kummer und verhielt sich wieder ganz normal.
Niemand kann bei schönem Wetter übers Meer segeln und lange traurig sein. Selbst Großvater wurde fröhlich. Gleich sah er um Jahre jünger aus. Der günstige Wind blieb uns treu. So dauerte es nur acht Tagen, bis wir London erreichten.


5.11.19 11:15
 
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